Eine Saison voller Abenteuer..

Nachdem Brise endlich seinen Liegeplatz hatte und die Lenzpumpe ihren Dienst tat, war es soweit das Boot auf Herz und Nieren zu prüfen.

Anfänglich gab es kleine Touren nach Scharbeutz, Lübeck und Niendorf um das Verhalten des Bootes genauer kennen zu lernen. Eine der schönsten von diesen Touren war als meine Lebensgefährtin und ihre Mutter mich nach Niendorf begleiteten.

Das Wetter war herrlich, es war warm und die milde Brise ließ uns gemütlich an der Küste entlang treiben. Die Wellen waren für den Wind ungewöhnlich hoch so das uns die eine oder andere Brause über Bug lief und uns in einer Wind – Wasser Wehe um die Nase blies.

Tanja macht es sich am Mast bequem 🙂

Als würde mir das Wetter es einfach machen wollen, beruhigte sich die See rechtzeitig als wir in Niendorf einliefen. Wie so oft zur Saison gab es in Niendorf ein Fischerfest das uns mit leckeren Fischbrötchen lockte. Wir tranken noch ein Bier und gingen zurück an Bord wo ich uns Weißwürste mit Brezn zubereitete.. Kurz vor Antritt der Rückkehr musste ich dann mit bedauern feststellen das eine der beiden Lenzpumpen sich verabschiedet hatte und grundsätzlich deswegen erstmal beide nicht mehr liefen. Das ließ sich aber glücklicherweise in 5 min umstecken um so den Fehler kurzfristig zu umgehen.

Travemünde <-> Wismar

Eine andere Tour die ich teils mit schönen, teils mit aufregendem in Erinnerung habe, ist meine Tour nach Wismar. Ganz nach dem Motto mal sehen was alles passieren kann ..

Rechtzeitig zur Tour nach Wismar war das Hauptsegel einsatzbereit.

Und es passierte viel… Für ortsansäßige Segler ist es ein bekanntes das sich vor Boltenhagen eine Surferbucht befindet. Von dieser Bucht wusste ich leider nichts und steuerte ahnungslos auf sie zu. Die geringe Wassertiefe wäre mir für einen feststehendes Schwert sehr ungelegen gekommen aber glücklicherweise ist Brise mit einem fallendem Schwert ausgestattet und ließ sich dieses relativ zügig einholen (Nachdem ich gefühlt die halbe Surferbucht umgepflügt hatte). Es ist auch ein leicht schockierendes Bild wenn dein Blick über Steuerbord dir Grund und Algen zeigt :/

Mit viel Anspannung im Nacken manövrierte ich Brise dann doch wieder etwas weiter raus auf tieferes Gewässer. Als ich aber die erste Panik überwunden hatte, stellte sich auch schon das nächste Problem ein. Der Treibstoff ging zuende.

Der Gedanke war damit auch nicht mehr angenehm wenn man mit einem Holzkahn ohne Motorisierung und ohne Wind auf offenem Wasser, mit Wellengang Richtung Bucht aus der ich mich gerade erst befreit hatte, zusteuert.

Ein durchwühlen des Inventars lockte dann doch noch einen Kanister mit etwas Diesel hervor. Der Treibstoff brachte mich dann noch auf die Insel Poel, die irgendwie die einzigeste Insel ist die ich hier im Umkreis kenne, die keine Bootstankstelle hat. Also auch kein Ding -> Rein nach Wismar -> 20 L Kanister gekauft, aufgefüllt und wieder zurück auf die Insel Poel und endlich stellte sich etwas Wind ein.

Ein Fischerboot fuhr mir vorraus aus dem Hafen Poel.

Ab da war es die schönste Segeltour die ich (bisher) jemals gemacht hatte. Der Wind kam aus Nordost mit einer gefühlten Windstärke 3 – 4 was mich relativ zügig Fahrt aufnehmen ließ. Ich konnte perfekt ausprobieren wie sich die Kränkung und die daraus ergebende Neigung zum Wind verhielt und wie ich, für den Ernstfall, zügig aus Luv herauskam.

Hart am Wind Richtung Travemünde.

Da die Tour nach Wismar durch meine Treibstoffaktion etwas länger dauerte als gedacht, kam ich aber dann erst in den frühen Morgenstunden in der Pötenitzer Wiek an. Als kleine Abschlussübung, durfte ich erstmal mit Standlicht und Schrittgeschwindigkeit an den vor Anker liegenden Schiffen vorbei um endlich zu meinem Liegeplatz zu manövrieren und anzulegen. Eine gelungene Segeltour .. müde, kaputt und mit der Randnotiz mich auf größere Touren besser vorzubereiten.

 

Die Große Herausforderung .. Travemünde <-> Fehmarn

Ja da bin ich schon irgendwie ein Spinner das ich mit kaum Segelerfahrung gleich Riesentouren machen wollte .. So im Nachhinein betrachtet denke ich auch das ich die Saison „überlebt“ hatte. Also das würde auch zu meiner finalen Segeltour gut passen.

Es sollte die schönste Tour von allen werden ergo bereitete ich mich genau darauf vor. Nachdem Route, Proviant, und Anlegestellen gesetzt waren und mein heiß ersehnter Urlaub begann, ging es dann auch schon los. Ich hatte mir als Zeitfenster unabhängig von der Strecke eine Woche erwählt. Es sollte dafür reichen das ich an den Knotenpunkten auch etwas Zeit hatte mir die Gegend anzusehen.

So war die Route für den ersten Tag einfach gesteckt. Wetter genießen, Karte im Blick haben und einfach nur nach Grömitz segeln. Was davon nicht passte war das Wetter da ich auf der Hinfahrt allein zwei Stunden auf meiner Holzschüssel mit einem sehr ungelegenem Wellengang von Heck/Steuerbord aufschlug was dazu führte das ich innerhalb kürzester Zeit einen Abdruck auf dem Rücken hatte der genau erkennen ließ wo ich saß .. sehr unbequem. Ich ließ mich aber nicht weiter irritieren und legte in Grömitz an und kümmerte mich um einen Liegeplatz.

Der erste Abend selber war sehr schön und ich genoß das Gefühl eben mal woanderst angenehm schlafen zu können. Grömitz ist keine besondere Küstenstadt aber mir noch in Erinnerung aus meiner ersten Segeltour mit Vereinsmitgliedern. Ja aber wie es nicht anderst sein konnte ließ mich die Bordeletronik wieder im Stich. Da mir zu diesem Zeitpunkt das Know How fehlte um die Lichtmaschine abzumessen und vorher instand zu setzen, stellte sich natürlich folgende Situation ein… Ich wollte den Motor starten und es tat sich nichts. Meine Motivation war im Keller und ich sollte noch schlimmeres erleben. Als ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit ein Starterkabel gesucht hatte und mein Bootsnachbar mir noch mit Starterhilfe half, konnte es dann auch schon weitergehen. Dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt da ich mir die fehlende Ladung nicht erklären konnte und für die Tour nach Fehmarn auch ein paar weitere Starterhilfen in Kauf genommen hätte.

Dieser Gedanke verflüchtigte sich dann aber auch innerhalb kürzester Zeit. Als ich den Hafen von Grömitz verließ, hatte sich das Wetter nicht wirklich gebessert und die massiven Wellenschläge sollten mich auf weiterer Tour begleiten. Leider wurden diese auch immer heftiger bis ich den Punkt erreichte das der Mast mitsamt Schiff in einem Winkel von geschätzten 20° lag. Da ist dann auch ganz schnell mal Schluss mit Lustig und meine einzigste Hoffnung nicht vollends zu kentern lag darin bei nächster Welle eine vollständige 180° – Drehung direkt in den Wellenschlag zu steuern. Das gelang mir dann auch glücklicherweise und meine einzigster Wunsch war es nur noch heile zuhause anzukommen :/

Ich konnte mir dann doch aber nicht den ganzen Humor nehmen lassen da beim Überwinden einer Welle immer ein Schluck Wasser durch den Schwertkasten schoß was sehr interessant aussah.

Innerhalb der gefühlten zweieinhalb Stunden geschaukel auf dem Wasser holten mich dann auch noch alle Bedürfnisse ein weswegen ich meinen Schiff wirklich einen Einhandsegler nennen kann. Wieder angekommen in Travemünde ging ich Land und ließ erstmal alles im Boot liegen wo es auch hingeflogen war. Meine Traumtour endete als Albtraum wo ich deutlich lernen musste das es der Natür tüchtig egal ist ob ich untergeh oder nicht..

So segel ich nie wieder warum dies dann vorerst auch meine letzte Tour war und Brise sich einem anständigen Makeover unterziehen muss.

Mein Fazit für die Saison 2016 .. anstrengend – gefährlich – schön 🙂

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